Holz als Baustoff

Holz gehört zu den ältesten Baustoffen des Menschen. Als nachwachsender Rohstoff bringt das Material ökologische und wirtschaftliche Vorteile. Dies gilt besonders dann, wenn heimische Hölzer, beziehungsweise Hölzer aus nachhaltiger Forstwirtschaft eingesetzt werden.

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Natürliches Material mit vielfältigen Vorteilen

Im Hausbau punktet das natürliche Material durch seine leichte Bearbeitbarkeit, die gute Wärmespeicherfähigkeit und die Vorteile fürs Wohnklima. Da Holz in der Lage ist, Feuchtigkeit aufzunehmen und wieder abzugeben, wirkt es regulierend und ausgleichend auf das Klima in den Innenräumen. Im Hochbau wird Holz für verschiedene Bereiche eingesetzt, zum Beispiel als Tragkonstruktion und Aussteifung für Dächer, Decken und Wände, für die Verkleidung der Fassade oder für Fenster- und Türrahmen. Je nach Bauteil werden verschiedene Holzqualitäten eingesetzt. Neben Vollholzquerschnitten kommen auch Holzwerkstoffe und ökologische Dämmstoffe aus Holzfasern zum Einsatz.

Vollholz

Als Bauholz, Vollholz oder Massivholz werden Holzerzeugnisse bezeichnet, die aus einem Stamm hergestellt sind. Die entstandenen Querschnitte werden anschließend weiter bearbeitet. Das Besondere am Vollholz: Im Unterschied zu Balken- oder Brettschichtholz wird das Holzgefüge nicht verändert. Vollholz lässt sich in weitere Kategorien unterteilen, die Qualitätsanforderungen sind in der DIN 4074 niedergelegt: Als Baurundholz  werden entastete und entrindete Stämme bezeichnet. Eingesetzt wird Baurundholz für Pfosten und Stützen, für Palisaden oder auch für Blockbohlen in Naturstammhäusern. Bauschnittholz besteht aus Rundstämmen, die parallel zur Stammachse geschnitten werden. Je nach Abmessungen wird Bauschnittholz unterschiedlich bezeichnet:

  Dicke d bzw. Höhe h in [mm] Breite b [mm]
Latte 6≤ d≤ 40 b < 80
Brett 6≤ d≤ 40 b≥ 80
Bohle d > 40 b > 3d
Kantholz b≤ h≤ 3b b > 40


Ein Qualitätsstandard für Bauschnittholz wurde mit der Verbändevereinbarung DIN 4074 – Bauholz festgelegt. Auf Grundlage der DIN 4074 werden zwei Sortimente von Bauschnittholz unterschieden, die Sortierung bezieht sich unter anderem auch auf die Holzfeuchte. Über das Ü-Zeichen wird das Holz als nach DIN 4074-1 sortiertes Bauholz gekennzeichnet. Bauschnittholz wird im Baubereich für zahlreiche tragende wie auch konstruktive Zwecke eingesetzt. Ebenfalls zu den Vollhölzern werden Balkenschichtholz und Konstruktionsvollholz gezählt.

Konstruktionsvollholz

Konstruktionsvollholz (KVH) ist Massivholz, das besonders hohe Qualitätskriterien erfüllt. Das Endprodukt ist formstabil und rissarm und kann deutlich höhere Lasten aufnehmen als herkömmlich hergestelltes Bauschnittholz. Erreicht wird die hohe Qualität durch zusätzliche Sortierkriterien, die weit über die Vorgaben der DIN 4074 hinausgehen. Bei der Herstellung von KVH werden Nadelhölzer zu Rohbalken verarbeitet, die anschließend technisch getrocknet werden. Im Rahmen der Sortierung werden festigkeitsmindernde Bereiche aus dem Holz gekappt, die Enden werden kraftschlüssig mittels Keilzinkenverbindung verklebt.

Die Lagerung der fertigen Hölzer, die in verschiedenen Vorzugsquerschnitten auf Vorrat hergestellt sind, erfolgt in klimatisierten Hallen. So ist eines der Hauptkriterien von KVH, nämlich die geforderte Holzfeuchte von 15 +/-3%, dauerhaft gewährleistet. Konstruktionsvollholz wird zum Beispiel im Holzfertigbau eingesetzt. Durch die Verwendung von Vorzugsquerschnitten mit Längen bis 13 Meter können die Baukosten gesenkt werden. Durch die für Konstruktionsvollholz vorgeschriebene Qualität verringert sich der Ausschreibungsaufwand. 

Balkenschichtholz

Balkenschichtholz besteht aus zwei oder drei faserparallel miteinander verklebten Bohlen oder Kanthölzern. Im Handel sind diese Hölzer als Duobalken® und Triobalken® erhältlich.

Die Bezeichnung Balkenschichtholz wird in den DIN-Normen DIN 1052: 2008 und DIN EN 1995-1-1 / NA: 2010 verwendet. Aufgrund der Herstellung ist Balkenschichtholz formstabil und rissminimiert und besitzt gegenüber Vollhölzern ein höheres Elastizitätsmodul. Eingesetzt werden können die Hölzer in den Nutzungsklassen 1 und 2 ohne extreme Veränderungen des Klimas. Werden bei der Herstellung Nadelhölzer mit entsprechender Dauerhaftigkeit eingesetzt, ist eine Verwendung ohne chemischen Holzschutz auch in den höheren Gebrauchsklassen laut DIN 68800-1:2011 zulässig.

Durch die Kennzeichnung mit dem Übereinstimmungs-Zeichen (Ü-Zeichen) bestätigt der Hersteller des Balkenschichtholzes, dass die geforderte Überwachung stattgefunden hat. Weitere Kennwerte in der Kennzeichnung sind Festigkeitsklasse und Herstellerwerk. Balkenschichtholz lässt sich ebenso leicht bearbeiten wie Vollholz und wird in vielen Bereichen eingesetzt:

  • Luftdichte Gebäudehüllen im Holzrahmenbau oder Holzskelettbau
  • Sichtbare Bauteile mit hohen Ansprüchen an die Optik
  • Deckenbalken und Sparren im mittleren bis größeren Querschnittsbereich
  • Dachpfetten
  • Stützen

Maximale Maße

Die maximalen Maße der Balken ergeben sich aus den zulässigen Höchstquerschnitten für Einzelhölzer laut der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung Z-9.1-440. Die maximalen Querschnittsmaße betragen dementsprechend 280 x 240mm bzw. 100 x 360mm.

Brettschichtholz

Brettschichtholz wird aus hochwertigen Nadelhölzern gefertigt, meist kommt Fichte zum Einsatz. Die Stämme werden in Bretter gesägt, technisch auf eine Holzfeuchte von 12% getrocknet, sortiert und anschließend über eine Keilzinkenverbindung kraftschlüssig verleimt. Die Verklebung der Lamellen erfolgt faserparallel zu Brettschichtholz nach den Vorgaben der DIN 1052:2008-12. Brettschichtholz ist ein standardisiertes Endprodukt mit hoher Biegefestigkeit. Dadurch sind die Hölzer deutlich belastbarer als Bauschnittholz und für den Abtrag hoher Lasten und große Spannweiten geeignet. Durch die technische Trocknung darf das Material unter Dach ohne chemischen Holzschutz eingebaut werden.

Eingesetzt wird das Brettschichtholz zum Beispiel im Hallenbau, wenn große Spannweiten erforderlich sind oder auch im Wohn- und Gewerbebau als Stützen, Pfetten oder Riegel. Neben konventionellen Rechteck-Querschnitten kann Brettschichtholz auch in Sonderformen, zum Beispiel als gekrümmter Träger hergestellt werden. Abmessungen von 200 x 220mm sind von jedem Hersteller problemlos realisierbar, maximal können Querschnittshöhen bis 300mm hergestellt werden. Um noch größere Abmaße zu erzeugen, werden aus mehreren Profilen Verbundquerschnitte hergestellt.

Überwachungszeichen BS Holz

Beim Einsatz von Brettschichtholz sollte auf das Überwachungszeichen BS-Holz geachtet werden. Damit sind Produkte hoher Qualität gekennzeichnet. Zeicheninhaber verpflichten sich zur Deklaration der Oberflächenqualität und zur Eigen- und Fremdüberwachung. Das Überwachungszeichen wurde von den Herstellern entwickelt und vereinfacht Auswahl und Ausschreibungsverfahren.

Holzwerkstoffe

Holzwerkstoffe sind aus Holz unter Zugabe von natürlichen oder synthetischen Bindemitteln und evtl. weiterer Zusatzstoffe gefertigt. Das Endprodukt sind Baustoffe mit kontrollierten Eigenschaften, die im Baubereich vielfältig eingesetzt werden. Hauptsächlich werden Holzwerkstoffe in Plattenform zur Aussteifung, Verkleidung und Abdichtung verwendet. Folgende Produkte kommen vorwiegend zum Einsatz:

OSB-Platten (Oriented Strand Boards)

OSB-Platten (Oriented Strand Boards) werden aus sogenannten „Strands“ gefertigt, das sind lange schlanke Späne. In den Deckschichten der Platten sind die Strands längs zur Platte ausgerichtet, in den Mittellagen sind sie kreuzweise angeordnet. Für die Herstellung wird frisches Waldholz verwendet. OSB-Platten sind in verschiedenen Dicken und Qualitäten erhältlich und werden hauptsächlich als Aussteifung von tragenden Konstruktionen im Holzbau eingesetzt.

Sperrholz

Sperrholz besteht aus mindestens drei verleimten Holzlagen mit um 90 Grad versetzter Faserrichtung in den Lagen. Ausgangsstoff sind Schälfurniere aus Laub- oder Nadelholz. Sperrholz kann in unterschiedlichen Qualitäten und Dicken hergestellt werden und wird im Innen- und Außenbereich eingesetzt. Häufiger als im Hausbau ist Sperrholz als Material im Möbelbau zu finden. Durch den Aufbau ergeben sich hohe Belastbarkeiten bei geringen Querschnittshöhen. 

Spanplatten

Spanplatten bestehen aus beleimten und anschließend verpressten Holzspänen unterschiedlicher Abmessung. Meist bestehen die Platten aus drei bis fünf Schichten, generell ist die Anzahl der Schichten ungerade. Die Deckschichten bestehen dabei in der Regel aus feinem Spänematerial, so dass eine relativ glatte Oberfläche entsteht. Grundlage dieser Holzwerkstoffe sind Sägenebenprodukte und andere Abfallhölzer.

Holzfaserplatten

Bei der Herstellung von Holzfaserplatten werden Holzfasern mit Kunstharzklebstoffen verklebt und verpresst. So entstehen je nach Dichte mitteldichte (MDF), hochverdichtete (HDF) oder leichte (LDF) oder ultraleichte (ULDF) Faserplatten. Hauptsächlich werden Holzfaserplatten aus Nadelhölzern hergestellt, die Vorzüge der Faserplatten sind ihre hohe Querzug- und Biegefestigkeit. Die Platten werden im Innenausbau und im Dachausbau eingesetzt. 

Holz-Polymer-Werkstoffe (WPC)

Holz-Polymer-Werkstoffe (WPC) sind Verbundwerkstoffe, die durch thermoplastische Behandlung hergestellt werden. Sie bestehen aus einem hohen Anteil an Holz (ca. 80%) sowie aus Kunststoff und weiteren Zusatzstoffen. Im Verbund ergibt sich ein Baumaterial mit vielen Vorteilen. Aufgrund der hohen Witterungsbeständigkeit wird WPC häufig für die Herstellung von Terrassendielen eingesetzt. 

Holz als Wärmedämmung

Holzfasern werden vor allem im ökologischen Hausbau gerne als Wärmedämmung eingesetzt. Die Dämmstoffe besitzen gute Wärmschutzeigenschaften im Winter wie im Sommer und können flexibel in Mattenform eingesetzt werden. Durch das hohe Feuchtespeichervermögen des Materials wird die Luftfeuchtigkeit in Innenräumen reguliert, die Gefahr der Schimmelbildung verringert sich. Feuchtewechsel beeinflussen die Dämmfähigkeit des Materials nicht.

Hergestellt werden die Dämmstoffe aus Nadelresthölzern. Das Holz wird zu Hackschnitzeln verarbeitet, mit Wasserdampf aufgeweicht und anschließend zerfasert. Eingesetzt wird das fertige Dämmmaterial als Wärmedämmung in Wänden und Decken, als Trittschalldämmung oder innerhalb eines Wärmedämmverbundsystems (WDVS). Für Perimeterdämmungen oder die Dämmung von Umkehrdächern sind Holzfaserdämmstoffe nicht zugelassen.